Venezianisches Rendezvous
Ein italienischer Opernstar in Schleswig-Holstein? Der Soprankastrat Filippo Finazzi kam 1744 mit einer italienischen Theatertruppe nach Hamburg, wo er an der Gänsemarktoper Karriere machte. Zuvor hatte er in Venedig unter Vivaldi brilliert, in Hamburg sang er sich in die Herzen der „Adelichen, als auch angesehensten Bürgerlichen Häuser“, gab Musikunterricht und komponierte. Seinen Lebensabend aber verbrachte er in Schleswig-Holstein auf seinem Wohnsitz in Jersbek. Hier gipfelte sein bewegtes Leben in einer anrührenden Liebesgeschichte: Nach einem Unfall pflegte ihn eine junge Witwe „mit der größten Zärtlichkeit“ und drei Jahre später hielt Finazzi um ihre Hand an. Die Kirche lehnte eine Trauung wegen seiner Infertilität aber ab. Nach langer Suche fand sich in Moorfleth ein Pastor, der das Paar zwar nicht in, aber zumindest neben der Kirche getraut hat – bis heute gibt dieser Falls zu denken zum Thema Diversität und Teilhabe. Vor genau 250 Jahren starb Finazzi und wurde auf dem Friedhof von Sülfeld begraben.
Zahlreiche Kantaten und Arien - allesamt bislang unveröffentlicht - zeugen von der umfassenden Musikalität dieses Ausnahmesängers, der den Glamour von Italiens Opern in den Norden brachte.
Das Projekt bringt Finazzis Kompositionen in drei Konzerten an seine ehemaligen Wirkungsstätten und damit Originalschauplätzen:
Samstag, 25. April 2026 Uetersen, Klosterkirche, 17 Uhr
Samstag, 20. Juni 2026, Sülfeld, Kirche, 18 Uhr
Sonntag, 21. Juni 2026, Flemhude, Kirche, 18 Uhr
Es musiziert das auf Barockmusik spezialisierte Ensemble Hamburger Ratsmusik, das heute auf ein halbes Jahrtausend Musikgeschichte in Hamburg zurückblickt, denn die Stadt beschäftigte erstmals im Jahr 1522 festangestellte Spielleute. 1991 von Simone Eckert wieder erweckt, widmet sich das Ensemble seit 35 Jahren der historisch informierten Aufführungspraxis auf originalen Instrumenten. Mit Hingabe recherchieren und erschließen die Musiker*innen das noch immer wenig bekannte Repertoire aus Renaissance, Barock und Klassik. Konzerte in vielen Ländern Europas, den USA und China sowie 40 CDs mit Welt-Ersteinspielungen und Aufnahmen für alle deutschen Rundfunksender und den ORF dokumentieren die Wiederentdeckungen des Ensembles.
